AOK-Navigator erleichtert Krebspatienten die Klinikwahl

AOK-Navigator erleichtert Krebspatienten die Klinikwahl

Die Diagnose Krebs stellt Betroffene und ihre Angehörigen vor immense Herausforderungen, bei denen eine der ersten und wichtigsten Entscheidungen die Wahl der richtigen Klinik für die bevorstehende Behandlung ist. Um diese schwierige Entscheidung auf eine fundierte Basis zu stellen und Orientierung in einer komplexen Versorgungslandschaft zu bieten, dient der AOK-Gesundheitsnavigator als zentrales Informationsinstrument, das Patientinnen und Patienten sowie einweisenden Ärztinnen und Ärzten eine datengestützte Orientierung ermöglicht. Dieses Online-Portal bündelt relevante Qualitätsinformationen und macht sie für Laien verständlich zugänglich, wodurch es eine aktive und informierte Entscheidungsfindung unterstützt und die Rolle des Patienten im Behandlungsprozess nachhaltig stärkt. Die transparente Aufbereitung von Daten zu Klinikexpertise, Behandlungsergebnissen und Patientenzufriedenheit schafft eine neue Grundlage für eine qualitativ hochwertige Versorgung.

Der AOK-Gesundheitsnavigator als Wegweiser

Transparenz durch zentrale Qualitätskriterien

Der Gesundheitsnavigator schafft eine wesentliche Grundlage für eine informierte Klinikwahl, indem er entscheidende Informationen bündelt, die eine objektive Bewertung der Versorgungsqualität ermöglichen. Im Mittelpunkt stehen dabei drei wesentliche Säulen, die zusammen ein umfassendes Bild der Leistungsfähigkeit eines Krankenhauses zeichnen. Erstens die Zertifizierung von Krebszentren durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), die als verlässliches Gütesiegel für hohe fachliche Anforderungen, interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine gut vernetzte Versorgungsstruktur dient. Zweitens die Einhaltung gesetzlich vorgeschriebener Mindestfallzahlen für komplexe Eingriffe, die sicherstellen, dass Behandlungsteams über ausreichende Routine und Erfahrung verfügen. Drittens werden exklusive Auswertungen zur Behandlungsqualität veröffentlicht, die auf den pseudonymisierten Abrechnungsdaten der AOK basieren und durch das wissenschaftlich fundierte QSR-Verfahren (Qualitätssicherung mit Routinedaten) ein in dieser Form einzigartiges Maß an Transparenz schaffen und tatsächliche Behandlungsergebnisse vergleichbar machen.

Wachstum und Spezialisierung der zertifizierten Zentren

Die wachsende Bedeutung nachweisbarer Qualitätsstandards spiegelt sich in der positiven Entwicklung der zertifizierten Krebszentren wider, deren Anzahl kontinuierlich steigt und somit immer mehr Patienten Zugang zu einer nachweislich hochwertigen Versorgung ermöglicht. Die Zertifizierung durch die DKG garantiert, dass eine Klinik hohe Anforderungen erfüllt, die von der personellen Ausstattung über die technische Infrastruktur bis hin zur Kooperation verschiedener Fachdisziplinen reichen. Seit Anfang 2025 ist die Zahl dieser Einrichtungen um 192 auf insgesamt 3.426 zertifizierte Zentren angewachsen, die im Navigator verzeichnet sind. Diese umfassen nicht nur 1.430 allgemeine onkologische Zentren, sondern auch eine wachsende Zahl hochspezialisierter Einrichtungen. Angeführt wird die Liste von 307 Darmkrebszentren, gefolgt von 291 Brustkrebs-, 176 gynäkologischen und 164 Prostatakrebszentren. Neu hinzugekommen sind seit Mitte 2025 zudem spezialisierte Zentren für Analkrebs (14) und Hodenkrebs (26), was den Trend zu einer immer feineren Spezialisierung innerhalb der onkologischen Versorgung verdeutlicht und den Patienten noch gezieltere Anlaufstellen bietet.

Zertifizierung als entscheidendes Kriterium für den Behandlungserfolg

Überlebensvorteil in zertifizierten Zentren

Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann, unterstreicht die immense Bedeutung dieser Zertifikate und rät Patientinnen und Patienten eindringlich, die Zertifizierung zum wichtigsten Kriterium bei ihrer Klinikwahl zu machen. Diese Empfehlung basiert nicht auf einer bloßen Annahme, sondern stützt sich auf harte wissenschaftliche Evidenz, die den direkten Zusammenhang zwischen Behandlungsstruktur und Überlebenschancen belegt. Die sogenannte WiZen-Studie („Wirksamkeit der Versorgung in onkologischen Zentren“) hat nachgewiesen, dass Krebspatienten, die in einem von der DKG zertifizierten Zentrum behandelt werden, signifikant bessere Überlebenschancen haben als jene, die ihre Therapie in nicht-zertifizierten Krankenhäusern erhalten. Dieser Überlebensvorteil ist auf die Bündelung von Expertise, die verpflichtende interdisziplinäre Zusammenarbeit in Tumorkonferenzen und die Einhaltung strenger Qualitätsvorgaben zurückzuführen, die in zertifizierten Zentren standardmäßig gewährleistet sind.

Eine klare Forderung für die Krankenhausreform

Aus der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass zertifizierte Strukturen die Überlebenschancen von Krebspatienten nachweislich verbessern, leitet Dr. Carola Reimann eine klare politische Forderung ab, die sie im Kontext der anstehenden Krankenhausreform formuliert. Sie plädiert dafür, die Versorgung von Krebspatienten zukünftig konsequent auf diese qualitätsgesicherten und zertifizierten Strukturen zu konzentrieren. Ziel dieser Forderung ist es, eine flächendeckend hohe Versorgungsqualität zu etablieren und sicherzustellen, dass alle Betroffenen von den bestmöglichen Behandlungsstandards profitieren, unabhängig von ihrem Wohnort oder ihrer Versicherung. Eine solche Konzentration würde nicht nur die Behandlungsqualität steigern, sondern auch die Effizienz im Gesundheitssystem erhöhen, indem hochkomplexe Leistungen an den Standorten gebündelt werden, die über die größte Erfahrung und die besten nachgewiesenen Ergebnisse verfügen. Die Krankenhausreform bietet die einmalige Chance, die Weichen für eine zukunftsfähige, qualitätsorientierte onkologische Versorgung in Deutschland zu stellen.

Erfahrung, die zählt: Die Bedeutung von Mindestmengen

Konzentration für mehr Behandlungsroutine

Ein weiterer zentraler Aspekt für den Behandlungserfolg, insbesondere bei operativen Eingriffen, ist die Erfahrung des gesamten Behandlungsteams. Um diese sicherzustellen, hat der Gesetzgeber für bestimmte komplexe Krebsoperationen, wie bei Brust- oder Lungenkrebs, Mindestfallzahlen pro Klinik und Jahr festgelegt. Diese Regelungen sind ein wichtiges Instrument der Qualitätssicherung, da eine hohe Fallzahl direkt mit einer größeren Routine und geringeren Komplikationsraten korreliert. Der AOK-Gesundheitsnavigator macht transparent, welche Krankenhäuser diese wichtigen Vorgaben erfüllen und unterstützt damit eine bewusste und von der AOK positiv bewertete Spezialisierung in der Versorgungslandschaft. Diese Entwicklung führt zu einer Konzentration hochkomplexer Behandlungen an wenigeren, dafür aber erfahreneren Standorten. Zur besseren Einordnung für die Nutzer werden die Fallzahlen der Kliniken im Portal zusätzlich als „niedrig“, „mittel“ oder „hoch“ klassifiziert, was eine noch differenziertere Einschätzung der klinischen Erfahrung ermöglicht.

Messbare Auswirkungen auf die Versorgungslandschaft

Die gesetzlichen Vorgaben zu Mindestmengen haben in den vergangenen Jahren bereits zu einer sichtbaren und qualitätsfördernden Veränderung der Krankenhauslandschaft geführt. Die im AOK-Navigator veröffentlichten Daten belegen diesen Trend zur Zentralisierung eindrücklich: Seit der Einführung der entsprechenden Mindestmengenregelung im Jahr 2024 ist die Zahl der Kliniken, die Brustkrebsoperationen durchführen, um 46 Standorte (11 %) auf nunmehr 379 gesunken. Eine noch deutlichere Konzentration zeigt sich bei der Behandlung von Lungenkrebs, wo die Zahl der operierenden Standorte im gleichen Zeitraum sogar um 27 Kliniken (16 %) auf 142 zurückging. Diese bewusste Bündelung der Versorgung wird von Experten als wichtiger Schritt zur Steigerung der Patientensicherheit bewertet. An den verbleibenden Standorten führt die höhere Fallzahl zu mehr Routine, optimierten Abläufen und einer größeren Expertise des gesamten Teams, was sich direkt in besseren Behandlungsergebnissen und einer höheren Qualität für die Patientinnen und Patienten niederschlägt.

Einzigartige Einblicke in die Behandlungsqualität

Exklusive Daten decken erhebliche Unterschiede auf

Ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal des AOK-Gesundheitsnavigators ist die Veröffentlichung von exklusiven Qualitätsdaten, die auf dem wissenschaftlich anerkannten QSR-Verfahren (Qualitätssicherung mit Routinedaten) basieren. Diese Auswertungen ermöglichen einen tiefen Einblick in die Ergebnisqualität verschiedener Kliniken, der weit über die reine Strukturanalyse hinausgeht. Die Daten, die aus pseudonymisierten Abrechnungsdaten der AOK gewonnen werden, machen erhebliche Unterschiede in den Behandlungsergebnissen sichtbar, die für Patienten bisher verborgen blieben. Besonders aussagekräftig sind die Ergebnisse zur operativen Behandlung von Prostatakrebs, die auf einer umfassenden Analyse von rund 17.600 Fällen aus den Jahren 2021 bis 2023 in 189 Kliniken beruhen. Diese Auswertung deckt dramatische Qualitätsunterschiede auf: Während im Fünftel der besten Kliniken nur 6,4 % der Patienten von unerwünschten Folgeereignissen oder Komplikationen betroffen waren, lag diese Rate im Fünftel der Kliniken mit den schlechtesten Ergebnissen bei 23 % – also bei fast jedem vierten Patienten.

Patientenbefähigung durch datengestützte Entscheidungen

Die im Gesundheitsnavigator bereitgestellten Informationen haben die Entscheidungsgrundlage für Krebspatienten grundlegend verändert. Die Kombination aus Zertifizierungsstatus, Einhaltung von Mindestmengen und vor allem den exklusiven Daten zur Ergebnisqualität bot eine bis dahin nicht gekannte Transparenz. Insbesondere die Aufschlüsselung der Komplikationsraten bei Eingriffen wie der Prostatakrebsoperation, die durch eine einjährige Nachbeobachtungszeit auch Spätkomplikationen erfasste, ermöglichte einen fairen und validen Vergleich zwischen den Kliniken. Ergänzt durch die Ergebnisse aus Patientenbefragungen zur Zufriedenheit, verliehen diese harten Fakten dem Portal eine besondere Tiefe. Das Werkzeug befähigte Krebspatienten nachhaltig, eine aktive und informierte Rolle bei der Wahl ihrer Klinik einzunehmen und eine Entscheidung zu treffen, die nicht nur auf subjektiven Empfehlungen, sondern auf soliden, transparenten Daten zur nachgewiesenen Behandlungsqualität beruhte.

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