Wie wird ein inoperabler Tumor operierbar?

Die Konfrontation mit der Diagnose eines inoperablen Tumors bedeutet für Betroffene und ihre Angehörigen oft eine Konfrontation mit dem scheinbar Unabwendbaren, doch die moderne Medizin verschiebt beständig die Grenzen des Möglichen. Ein eindrucksvolles Beispiel für diesen Fortschritt liefert die Geschichte von Susanne Viehmeier, bei der im Jahr 2022 ein fortgeschrittenes Gallengangkarzinom diagnostiziert wurde, ein Befund, der zunächst keine Hoffnung auf eine Heilung durch einen chirurgischen Eingriff ließ. An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wurde jedoch durch das Zusammenspiel von interdisziplinärer Expertise, innovativen medikamentösen Ansätzen und einer weltweit einzigartigen Operationstechnik eine aussichtslose Situation in eine reale Lebenschance verwandelt. Dieser medizinische Durchbruch ist nicht nur ein Zeugnis für die Exzellenz in der Patientenversorgung und Forschung, sondern steht auch im Mittelpunkt einer Veröffentlichung der „Initiative Wissenschaft Hannover“, die damit die Innovationskraft des Wissenschaftsstandortes unterstreicht und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht.

Die medizinische Revolution an der MHH

Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Schlüssel

Der Erfolg im Fall von Susanne Viehmeier wurzelt in der grundlegenden Haltung, eine medizinische Diagnose nicht als endgültiges Urteil zu akzeptieren, sondern als Ausgangspunkt für eine umfassende Neubewertung. An der MHH wurde ihr Fall daher nicht isoliert betrachtet, sondern kontinuierlich in einem interdisziplinären Tumorboard von Spezialisten aus der Onkologie, Chirurgie und Anästhesie diskutiert. Dieser als „medizinisch Weiterdenken“ bezeichnete Ansatz ermöglicht es, über etablierte Behandlungspfade hinauszugehen und individuelle, maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln. Anstatt sich mit der Einstufung „inoperabel“ abzufinden, bündelten die Experten ihr Wissen, um die biologischen Eigenschaften des Tumors und die physiologischen Voraussetzungen der Patientin immer wieder neu zu analysieren. Dieser dynamische Prozess schuf die Grundlage für eine mehrstufige und hochinnovative Behandlungsstrategie, die darauf abzielte, die Bedingungen für einen potenziell kurativen Eingriff schrittweise zu schaffen und die Grenzen des Machbaren neu zu definieren.

Die Stärke dieses kollaborativen Modells liegt in der Synthese verschiedener Fachperspektiven. Während Onkologen die neuesten medikamentösen Therapien zur Tumorverkleinerung und -kontrolle evaluierten, planten die Chirurgen bereits potenzielle Operationsszenarien und identifizierten die anatomischen Hürden. Die Anästhesisten wiederum bewerteten die Belastbarkeit der Patientin für einen solch komplexen Eingriff und entwickelten Strategien zur Stabilisierung während der Operation. Diese enge Verzahnung führte zu dem Entschluss, zunächst auf modernste pharmakologische Behandlungen zu setzen. Ziel war es, den Tumor gezielt so zu beeinflussen, dass er von kritischen Blutgefäßen zurückgedrängt und in seiner Ausdehnung reduziert wurde. Erst diese sorgfältig orchestrierte Vorbereitung, die das Ergebnis unzähliger gemeinsamer Beratungen war, machte den Gedanken an eine erfolgreiche chirurgische Entfernung überhaupt erst realistisch und ebnete den Weg für den darauffolgenden, entscheidenden Schritt im Operationssaal.

Eine weltweit einzigartige Operationstechnik

Der entscheidende chirurgische Durchbruch wurde durch die Anwendung einer neuartigen und in diesem Kontext weltweit einzigartigen Operationsmethode erzielt, die das etablierte Vorgehen revolutionierte. Während des hochkomplexen Eingriffs nutzte das chirurgische Team die extrakorporale Membranoxygenierung, besser bekannt unter der Abkürzung ECMO. Dieses System, das oft als künstliche Lunge bezeichnet wird, übernimmt temporär die vollständige Herz- und Lungenfunktion des Patienten außerhalb des Körpers. Durch die Ausleitung des Blutes, dessen Anreicherung mit Sauerstoff und die Entfernung von Kohlendioxid in einer Maschine wird der Kreislauf künstlich aufrechterhalten. Dies verschaffte den Chirurgen ein stabiles und kontrolliertes Operationsfeld sowie die nötige Zeit, den Tumor präzise und vollständig zu entfernen, was unter normalen physiologischen Bedingungen aufgrund der Lage und der Komplexität des Tumors undenkbar gewesen wäre.

Der Einsatz der ECMO in der onkologischen Chirurgie zur Behandlung eines Gallengangkarzinoms stellte eine absolute Premiere dar und demonstriert die Innovationskraft, die aus der engen Verknüpfung von klinischer Praxis und Spitzenforschung an der MHH entsteht. Diese bahnbrechende Technik war das Ergebnis einer perfekten Symbiose aus fortschrittlicher Pharmakotherapie, die den Tumor erst operabel machte, und einer revolutionären Operationstechnik, die den Eingriff selbst ermöglichte. Die drei Säulen dieses Erfolgs – herausragende medizinische Exzellenz, eine tief in der Forschung verankerte klinische Praxis und eine konsequent auf den Patienten ausgerichtete Haltung – schufen eine völlig neue Behandlungsoption. Für Susanne Viehmeier bedeutete dieser mutige und innovative Schritt nicht weniger als die realistische Perspektive auf ein Leben nach der Krebserkrankung, wo zuvor nur eine palliative Behandlung in Aussicht gestanden hatte.

Der Wissenschaftsstandort Hannover im Fokus

Die Plattform wissen.hannover.de

Die bewegende Geschichte von Susanne Viehmeier und die medizinische Pionierleistung der MHH dienen als zentrales Beispiel in einem neuen Video der Initiative Wissenschaft Hannover, das auf der Online-Plattform „wissen.hannover.de“ veröffentlicht wurde. Diese Initiative verfolgt das ambitionierte Ziel, insbesondere junge Menschen und zukünftige Talente für den Hochschul- und Wissenschaftsstandort Hannover zu begeistern. Anstatt auf eine rein faktenbasierte Darstellung zu setzen, transportiert die Plattform ihre Botschaft durch authentische und persönliche Geschichten von Menschen, die bereits in Hannover studieren, lehren und forschen. Das Motto „studieren.forschen.wissen“ spiegelt diesen Ansatz wider, indem es Studierende, Lehrende und Forschende direkt zu Wort kommen lässt. Sie berichten von ihren Projekten, ihren Erfahrungen im Studium und ihrem Alltag in den hannoverschen Laboren und Hörsälen und schaffen so eine nahbare und inspirierende Erzählung.

Diese strategische Ausrichtung der Kommunikation zielt darauf ab, die Vielfalt und Exzellenz der Forschungseinrichtungen in Hannover greifbar zu machen. Die Inhalte sind bewusst so konzipiert, dass sie sowohl wissenschaftlich informativ als auch unterhaltsam sind, um ein breites Publikum anzusprechen. Die Plattform fungiert als zentrales Schaufenster für die vielfältigen Forschungsprojekte und die Erfolgsgeschichten aus dem Studienalltag. Indem sie den Menschen hinter der Wissenschaft in den Mittelpunkt stellt, vermittelt die Initiative ein lebendiges Bild von Hannover als einem Ort, an dem Wissen geschaffen, Innovation vorangetrieben und die Zukunft gestaltet wird. Die Geschichte von Susanne Viehmeier wird so nicht nur zu einem Bericht über medizinischen Fortschritt, sondern auch zu einem Symbol für die kollaborative und patientenzentrierte Forschungskultur, die den Standort auszeichnet und ihn für Studierende und Forschende aus aller Welt attraktiv macht.

Einblicke, die begeistern

Das Video über die Behandlung von Susanne Viehmeier ist Teil einer regelmäßig aktualisierten Mediathek, die ein breites Themenspektrum abdeckt und so die gesamte Bandbreite des wissenschaftlichen Lebens in Hannover abbildet. Die Bandbreite der Inhalte reicht von persönlichen Berichten Studierender über ihre individuellen Projekte und ihren Weg durch das akademische Leben bis hin zu tiefgehenden Präsentationen von Forschenden, die bahnbrechende Entdeckungen vorstellen und Einblicke in ihre tägliche Arbeit gewähren. Diese authentischen Perspektiven machen komplexe wissenschaftliche Themen zugänglich und zeigen die Leidenschaft und das Engagement, das hinter den Forschungserfolgen steckt. Die Plattform wird so zu einer dynamischen Quelle der Inspiration und Information für alle, die sich für ein Studium oder eine wissenschaftliche Karriere in Hannover interessieren. Es wird ein lebendiges Ökosystem präsentiert, in dem Lehre und Forschung Hand in Hand gehen.

Um den praktischen Nutzen für die Zielgruppe weiter zu erhöhen, werden die Videoinhalte durch wertvolle Zusatzinformationen ergänzt. Dazu gehören praktische Ratschläge, beispielsweise vom Studentenwerk, das wichtige Tipps zu den Kosten und zur Finanzierung einer akademischen Ausbildung gibt. Weiterführende Links zu den beteiligten Instituten und Forschungsgruppen sowie Download-Materialien zu den vorgestellten Projekten bieten den Nutzern die Möglichkeit, tiefer in die Materie einzutauchen und direkt mit den relevanten Ansprechpartnern in Kontakt zu treten. Diese umfassende Aufbereitung der Inhalte unterstreicht den Servicecharakter der Plattform. Interessierte werden zudem auf die Möglichkeit hingewiesen, einen Newsletter zu abonnieren, der automatisch über neue Videos und Inhalte informiert. Dadurch wird sichergestellt, dass keine spannenden Einblicke aus der hannoverschen Wissenschaftswelt verpasst werden und ein kontinuierlicher Dialog mit der Community gefördert wird.

Ein Präzedenzfall mit weitreichender Bedeutung

Der Fall von Susanne Viehmeier und die an der MHH entwickelte Behandlungsmethode hatten weitreichende Konsequenzen, die über den individuellen Erfolg hinausgingen. Sie schufen einen wichtigen medizinischen Präzedenzfall, der die etablierten Leitlinien zur Behandlung fortgeschrittener Gallengangkarzinome infrage stellte und neue therapeutische Wege eröffnete. Die erfolgreiche Anwendung der ECMO in einem solch komplexen onkologischen Eingriff demonstrierte, dass durch die Kombination verschiedener Disziplinen und den Mut zu unkonventionellen Ansätzen bisherige Grenzen der Operabilität überwunden werden konnten. Dieses Wissen wurde international geteilt und regte eine weltweite Diskussion unter Fachleuten an, die nun die Implementierung ähnlicher Strategien in anderen spezialisierten Zentren prüften. Die detaillierte Dokumentation des Falls diente als Grundlage für weiterführende Forschung und die Entwicklung neuer Protokolle, die darauf abzielten, die Sicherheit und Wirksamkeit dieser Methode weiter zu verbessern und sie für eine größere Patientengruppe zugänglich zu machen. Die Geschichte wurde somit zu einem Symbol der Hoffnung und zu einem Motor für den wissenschaftlichen Fortschritt auf dem Gebiet der chirurgischen Onkologie.

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