Mit einer gedämpften Konsumlaune und tiefgreifenden wirtschaftlichen Unsicherheiten blickt der deutsche Einzelhandel in ein herausforderndes Jahr, das von einer spürbaren Diskrepanz zwischen nominalen und realen Wachstumsaussichten geprägt ist. Obwohl eine Umfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) für 2026 ein nominales Umsatzplus von zwei Prozent prognostiziert, relativiert sich diese Zahl bei genauerer Betrachtung erheblich, denn preisbereinigt bleibt lediglich ein minimales reales Wachstum von 0,5 Prozent übrig. Diese ernüchternde Prognose spiegelt die pessimistische Grundstimmung wider, die einen großen Teil der Branche erfasst hat. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen, genau 49 Prozent, stellt sich auf sinkende Umsätze ein. Demgegenüber steht eine deutlich kleinere Gruppe von nur 23 Prozent der Händler, die optimistisch in die Zukunft blicken und von einer geschäftlichen Verbesserung ausgehen. Diese Kluft in den Erwartungen verdeutlicht die tiefen Risse, die sich durch die Handelslandschaft ziehen und auf strukturelle Verwerfungen hindeuten.
Der Online Handel als Einziger Hoffnungsträger
Inmitten der allgemeinen Zurückhaltung kristallisiert sich der Online-Handel als der unangefochtene und einzige klare Wachstumstreiber der gesamten Branche heraus, dem ein beeindruckendes reales Wachstum von 3,5 Prozent vorhergesagt wird. Diese positive Entwicklung im digitalen Sektor steht jedoch in scharfem Kontrast zu den erheblichen Belastungen, mit denen sich der stationäre Handel konfrontiert sieht. Anhaltend hohe Energiepreise, steigende Lohnkosten und eine als ausufernd empfundene Bürokratie schnüren vielen Unternehmen die Luft ab. Angesichts dieser massiven Herausforderungen richtet der HDE klare Forderungen an die Politik, um gezielte Entlastungen zu schaffen. Dazu gehören eine spürbare Senkung der Stromsteuer sowie eine dauerhafte Deckelung der Sozialversicherungsbeiträge bei 40 Prozent. Die Anspannung wird zusätzlich durch die im April beginnende Tarifrunde verschärft. Vor dem Hintergrund von 60.000 bereits in den letzten vier Jahren verlorenen Stellen warnt der Verband eindringlich vor überzogenen Lohnforderungen, die den Sektor weiter unter Druck setzen könnten.
Ein Sektor am Scheideweg
Das Jahr war geprägt von einer tiefen Spaltung, die den gesamten Sektor durchzog und die Weichen für die Zukunft stellte. Während der Online-Handel seine Position als unangefochtener Wachstumsmotor festigte, sahen sich viele stationäre Händler mit einem Überlebenskampf konfrontiert, der durch externe wirtschaftliche Drücke verschärft wurde. Die Debatten um Energiekosten, Lohnentwicklung und bürokratische Hürden waren mehr als nur tagespolitische Auseinandersetzungen; sie waren symptomatisch für die strukturellen Herausforderungen, vor denen einer der größten Arbeitgeber Deutschlands mit seinen 3,1 Millionen Beschäftigten stand. Die Ergebnisse der Tarifverhandlungen und die politischen Reaktionen auf die Forderungen des Handelsverbandes wurden zu entscheidenden Faktoren, die nicht nur die Bilanzen der Unternehmen, sondern auch die Zukunft tausender Arbeitsplätze und die Lebendigkeit der Innenstädte maßgeblich beeinflussten. Es wurde deutlich, dass ohne mutige Anpassungen und gezielte Unterstützung der Weg für einen erheblichen Teil des Einzelhandels noch steiniger werden würde.