Die Stadt Linz leitet mit ihrer Budgetplanung für das Jahr 2026 eine bemerkenswerte Wende in der städtischen Verkehrspolitik ein, die weit über eine simple Neuverteilung von Geldern hinausgeht und als klares Bekenntnis zu einer nachhaltigeren Zukunft verstanden werden kann. Mit einem beeindruckenden Gesamtbudget von 27,4 Millionen Euro für diverse Mobilitätsprojekte vollzieht der Linzer Gemeinderat einen historischen Paradigmenwechsel: Erstmals in der Geschichte der Stadt fließt mit 14,5 Millionen Euro ein größerer Anteil der Investitionen direkt in den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) als in den traditionellen Straßenbau. Diese strategische Neuausrichtung markiert eine bewusste Abkehr von der jahrzehntelangen Priorisierung des motorisierten Individualverkehrs und zielt darauf ab, die urbane Mobilität grundlegend neu zu gestalten. Es handelt sich um ein ambitioniertes Vorhaben, das nicht nur die Verkehrsinfrastruktur modernisieren, sondern auch die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger nachhaltig verbessern und die Stadt auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten soll. Die Entscheidung spiegelt ein wachsendes Bewusstsein für die Notwendigkeit wider, den Verkehr flüssiger, umweltfreundlicher und für alle zugänglicher zu machen.
Strategische Neuausrichtung der Urbanen Mobilität
Ein zentrales Motiv hinter dem umfassenden Investitionsprogramm ist die aktive und strategische Bekämpfung der chronischen Verkehrsprobleme, die den Alltag in Linz seit Jahren prägen. Die Strategie beruht auf der gezielten Schaffung attraktiverer und vor allem effizienterer Alternativen zum privaten Personenkraftwagen, um die täglichen Staus zu den Stoßzeiten spürbar zu reduzieren und den allgegenwärtigen Mangel an Parkplätzen zu lindern. Es geht darum, den öffentlichen Raum neu zu denken und den Umstieg auf nachhaltige Verkehrsmittel nicht nur zu ermöglichen, sondern aktiv zu fördern. Diese Neuausrichtung soll einen doppelten positiven Effekt erzielen: Einerseits wird der Verkehrsfluss für alle Teilnehmer verbessert, was zu weniger Stress und Zeitverlust führt. Andererseits profitieren auch jene, die weiterhin auf das Auto angewiesen sind, von den frei werdenden Kapazitäten auf den Straßen. Die Maßnahme ist somit kein Angriff auf den Individualverkehr, sondern ein intelligenter Lösungsansatz zur Entlastung des gesamten Systems, von dem letztlich die gesamte Stadtgesellschaft profitiert. Das erklärte Ziel ist es, eine signifikante Anzahl von Bürgern durch ein überzeugendes Angebot zum freiwilligen Umstieg zu bewegen.
Das unbestrittene Herzstück dieser Offensive zur Neugestaltung der städtischen Mobilität ist die massive Stärkung und der Ausbau des bestehenden Busnetzes. Die Einführung von drei neuen, strategisch geplanten Buslinien soll nicht nur bisher unterversorgte Stadtteile besser an das öffentliche Verkehrsnetz anbinden, sondern auch bestehende, hochfrequentierte Verkehrsadern wie die zentralen Straßenbahnlinien nachhaltig entlasten. Dies stellt den Kern der Investitionen in den öffentlichen Verkehr dar und ist der sichtbarste Ausdruck des politischen Willens zur Veränderung. Obwohl der finanzielle Schwerpunkt klar auf dem ÖPNV liegt, wird auch die Förderung des nicht-motorisierten Verkehrs als ein unverzichtbarer Bestandteil des Gesamtkonzepts betrachtet. Gezielte Investitionen in die Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger, darunter der Bau neuer Rampen und die Schließung von Lücken im Radwegenetz, sollen die Sicherheit erhöhen und die Fortbewegung zu Fuß oder mit dem Fahrrad im gesamten Stadtgebiet deutlich attraktiver und komfortabler machen. Damit verfolgt die Stadt einen ganzheitlichen Ansatz, der alle Formen der nachhaltigen Mobilität integriert und fördert.
Die Neuen Buslinien als Herzstück der Offensive
Die für den öffentlichen Verkehr budgetierten 14,5 Millionen Euro sind laut Mobilitätsreferent Vizebürgermeister Martin Hajart (ÖVP) der offizielle Beginn einer „neuen Ära in der städtischen Verkehrspolitik“. Diese bedeutungsvolle Aussage verdeutlicht, dass es sich hierbei nicht um eine isolierte, einmalige Maßnahme handelt, sondern um eine langfristig angelegte strategische Neuausrichtung mit weitreichenden Zielen. Ein zentrales Element dieses Plans ist die geplante Buslinie 13, die als eine durchgehende Nord-Süd-Verbindung konzipiert ist und vom Pichlingersee über das wichtige Industriegebiet bis in den Stadtteil Urfahr führen soll. Ihre primäre Funktion besteht darin, die großen Arbeitsstätten im Chemiepark und bei der voestalpine direkt an die umliegenden Wohngebiete anzubinden. Mit einem prognostizierten Fahrgastpotenzial von rund 3.000 Personen pro Tag wird sie als entscheidender Baustein zur Reduzierung des Pendlerverkehrs angesehen. Für den Erfolg dieses Vorhabens wird eine hohe Taktfrequenz als unerlässlich erachtet, um eine echte Alternative zum Auto darzustellen.
Parallel zur Linie 13 soll die neue O-Buslinie 48 eine andere, aber ebenso wichtige strategische Funktion erfüllen: die Entlastung der stark frequentierten Straßenbahnlinien, die das Rückgrat des städtischen Nahverkehrs bilden. Diese Linie wird primär die östlichen Stadtteile erschließen und dabei vollkommen neue Umsteige- und Anbindungsmöglichkeiten schaffen, die das Netz flexibler und resilienter machen. Mit einem äußerst ambitionierten, erwarteten Fahrgastaufkommen von bis zu 20.000 Personen täglich soll diese Linie eine zentrale Rolle im zukünftigen, modernisierten Verkehrsnetz der Stadt spielen und die zentralen Knotenpunkte wie die Landstraße und den Hauptbahnhof spürbar entlasten. Ergänzt wird dieses umfassende Paket durch die ebenfalls geplante Buslinie 14 sowie durch die Prüfung einer möglichen Verlängerung der Stadtteilbuslinie 194 in die Neue Heimat und einer Verlängerung der Straßenbahn bis zum Bahnhof Pichling. Diese zusätzlichen Überlegungen zeigen den weitsichtigen Planungsansatz, der darauf abzielt, das öffentliche Verkehrsnetz schrittweise weiter zu verdichten und zu optimieren.
Förderung des Aktiven Verkehrs und Kritische Perspektiven
Ein zentrales Projekt zur Verbesserung der Infrastruktur für den nicht-motorisierten Verkehr ist der geplante Bau neuer, moderner Rampen an der stark frequentierten Nibelungenbrücke. Sowohl auf der Seite des Lentos Kunstmuseums als auch auf der gegenüberliegenden Seite beim Ars Electronica Center sollen verbesserte und barrierefreie Zugänge für Fußgänger und Radfahrer entstehen. Diese Baumaßnahmen sollen den Weg zur und über die Donau nicht nur sicherer, sondern auch wesentlich komfortabler gestalten und damit die Attraktivität des Zufußgehens und Radfahrens im Zentrum weiter steigern. Des Weiteren wird die Fertigstellung eines wichtigen Abschnitts des überregional bekannten Donauradwegs nach St. Margarethen vorangetrieben, um bestehende Lücken im Radwegenetz zu schließen und eine durchgehende, sichere Verbindung zu gewährleisten. Ergänzend dazu soll eine stadtweite „Beleuchtungsoffensive“ die Sicherheit auf Wegen und Straßen, insbesondere in den dunkleren Morgen- und Abendstunden, für alle Verkehrsteilnehmer, vor allem aber für Fußgänger und Radfahrer, signifikant erhöhen und so das subjektive Sicherheitsgefühl stärken.
Die grüne Umwelt-Stadträtin Eva Schobesberger begrüßt den beschlossenen Ausbau des öffentlichen Verkehrs ausdrücklich und betont, dass ihre Partei die neuen Buslinien vehement gefordert und unterstützt habe. Sie bezeichnet dieses Vorhaben als ein „enorm wichtiges Projekt“ für die zukunftsfähige Entwicklung der Stadt Linz. Gleichzeitig übt sie jedoch scharfe Kritik an anderen Aspekten der Mobilitätsplanung, bei denen sie sich deutlich „mehr Mut“ gewünscht hätte. Das Budget für den Radwegebau in Höhe von einer Million Euro aus einem Gesamtbudget von über 27 Millionen Euro sei aus ihrer Sicht „wirklich nicht besonders viel“. Pointiert formuliert sie, dass eine echte Offensive für den Radverkehr anders aussehe und bemängelt insbesondere das Fehlen des groß angekündigten „Rad-Highways“, einer durchgehenden Nord-Süd-Verbindung, in den aktuellen Plänen. Ein weiterer zentraler Kritikpunkt ist das Ausbleiben von konkreten Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung in sensiblen Stadtbereichen. Trotz der Eröffnung der neuen Donautalbrücke werde die Nibelungenbrücke weiterhin von zu vielen Fahrzeugen genutzt, weshalb sie konkrete Maßnahmen für die Rudolfstraße und die Urfahraner Hauptstraße fordert.
Ein Wendepunkt mit Offenem Ausgang
Die Mobilitätsplanung für Linz im Jahr 2026 markierte unzweifelhaft einen Wendepunkt. Die erstmalige finanzielle Priorisierung des öffentlichen Verkehrs über den Straßenbau war ein klares politisches Signal für eine nachhaltigere und zukunftsorientierte Verkehrspolitik. Die Planung der neuen Buslinien versprach, das städtische Verkehrsgefüge signifikant zu verbessern, indem sie neue Verbindungen schufen und bestehende Systeme entlasteten. Die breite politische Unterstützung für diesen Kernpunkt der Strategie deutete auf einen grundlegenden Konsens hin, den ÖPNV massiv stärken zu müssen. Gleichzeitig offenbarte der politische Diskurs unterschiedliche Auffassungen über die Radikalität und den Umfang der notwendigen Verkehrswende. Während die Regierungskoalition den eingeschlagenen Weg als eine „neue Ära“ feierte, forderte die Opposition einen mutigeren und ganzheitlicheren Ansatz. Insbesondere die als unzureichend empfundene Förderung des Radverkehrs und das Zögern bei der Umsetzung von Verkehrsberuhigungsmaßnahmen zeigten, dass das Ringen um die zukünftige Gestaltung der urbanen Mobilität in Linz intensiv weitergeführt wurde. Das Jahr 2026 wurde somit zu einem entscheidenden Planungsjahr, dessen Ergebnisse die Lebensqualität und das Verkehrsaufkommen in der Stadt auf Jahre hinaus prägen sollten.