Ein Schweizer Jungunternehmen namens Nautica Technologies steht kurz davor, mit einer bahnbrechenden Technologie eine der grössten Herausforderungen der globalen Schifffahrt zu lösen und die maritime Welt nachhaltiger zu gestalten. Durch den Einsatz von Schwärmen autonomer Unterwasserroboter will das im Jahr 2024 gegründete Unternehmen das kostspielige und umweltschädliche Problem des Biofoulings, also der Ansammlung von Meeresorganismen an Schiffsrümpfen, bekämpfen. Diese Innovation verspricht nicht nur, Reedereien jährlich Milliarden zu sparen, sondern auch die Treibhausgasemissionen der Branche drastisch zu reduzieren. Angesichts von über 110.000 grossen Handelsschiffen, die das Rückgrat des Welthandels bilden, ist die Optimierung ihrer Effizienz von entscheidender globaler Bedeutung. Die entwickelte Lösung zielt darauf ab, die Rumpfwartung von einem reaktiven, teuren Prozess in ein proaktives, kontinuierliches und datengestütztes System zu verwandeln, das den Betrieb revolutionieren könnte.
Das unsichtbare Problem mit milliardenschweren Folgen
Die biologische Verschmutzung, auch Biofouling genannt, bezeichnet die fortschreitende Ansammlung mariner Organismen wie Mikroorganismen, Algen und Seepocken auf der untergetauchten Oberfläche eines Schiffsrumpfes. Diese auf den ersten Blick unscheinbare Schicht erhöht die Rauheit der Rumpfoberfläche erheblich, was zu einem gesteigerten hydrodynamischen Widerstand im Wasser führt. Die Konsequenzen dieses Phänomens sind weitreichend und kostspielig. Im Durchschnitt kann Biofouling den Kraftstoffverbrauch eines Schiffes um bis zu 35 Prozent erhöhen. Diese Ineffizienz führt nicht nur zu jährlichen wirtschaftlichen Schäden in Milliardenhöhe für die globale Schifffahrtsindustrie, sondern auch zu einer drastischen Zunahme der Treibhausgasemissionen. Die Reduzierung dieser Emissionen wird für Schiffsbetreiber zu einer zwingenden Notwendigkeit, um wettbewerbsfähig zu bleiben und ihre Umweltbilanz zu verbessern.
Der wachsende regulatorische Druck durch internationale Abkommen verschärft die Dringlichkeit, wirksame Lösungen gegen Biofouling zu finden. Vorschriften wie der Kohlenstoffintensitätsindex (CII) der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation und das europäische Emissionshandelssystem (EU ETS) setzen klare finanzielle und operative Anreize zur Reduzierung von Emissionen. Bisherige Lösungsansätze sind jedoch mit erheblichen Nachteilen verbunden. Antifouling-Beschichtungen enthalten oft giftige Substanzen wie Biozide, die ins Meerwasser gelangen und die Umwelt belasten. Die manuelle Reinigung durch Taucher ist nicht nur personalintensiv, zeitaufwendig und teuer, sondern erfordert in vielen Fällen auch, dass das Schiff ausser Betrieb genommen wird und im Hafen stillliegt. Dies führt zu weiteren Einnahmeverlusten und betrieblichen Störungen. Zudem stellt die Verschleppung von nicht heimischen Arten durch Biofouling eine erhebliche Bedrohung für lokale marine Ökosysteme dar.
Nautica Technologies: die autonome Antwort aus der Schweiz
Als Antwort auf die ineffizienten und umweltschädlichen traditionellen Methoden hat Nautica Technologies eine hochmoderne, vollständig automatisierte Lösung entwickelt. Das Herzstück der Innovation ist ein autonomer Schiffsrumpf-Reinigungsroboter, der das Potenzial hat, die gesamte Branche zu verändern. Diese Roboter operieren in Gruppen oder Schwärmen unter Wasser und können den Reinigungsprozess ohne menschliches Eingreifen oder manuelle Überwachung durchführen. Ein entscheidender Vorteil dieser Technologie ist ihre betriebliche Flexibilität: Die Reinigung kann während der regulären Hafenaufenthalte eines Schiffes stattfinden, ohne dass ein kostspieliger Trockendockaufenthalt oder eine spezielle Stilllegung erforderlich ist. Dies maximiert die Betriebszeit und die Effizienz der Schiffsflotte erheblich und verwandelt die Rumpfwartung von einem reaktiven, kostspieligen Prozess in ein proaktives, kontinuierliches und effizientes System.
Die technologische Grundlage der Roboter von Nautica ist eine fortschrittliche künstliche Intelligenz, die eine präzise und effiziente Arbeitsweise sicherstellt. Die KI-Algorithmen ermöglichen eine intelligente Navigation entlang des Rumpfes und eine effiziente Zusammenarbeit im Schwarm, um eine lückenlose und gründliche Reinigung zu gewährleisten. Bemerkenswert ist, dass die Roboter dabei keine externe GPS-Positionierung benötigen, was ihren Einsatz in Häfen weltweit vereinfacht. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Umweltfreundlichkeit der Methode. Da die Roboter ohne giftige Farben oder Chemikalien arbeiten, unterstützen sie Unternehmen dabei, strenge Umweltvorschriften einzuhalten und ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Dieser proaktive Ansatz sorgt dafür, dass der Rumpf dauerhaft in einem optimal sauberen Zustand gehalten wird, anstatt auf die Bildung einer dicken Biofouling-Schicht zu warten, was die Effizienz kontinuierlich auf einem hohen Niveau hält.
Mehr als nur Sauberkeit: Daten als Schlüssel zur Effizienz
Die Innovation von Nautica Technologies geht weit über die reine Reinigungsfunktion hinaus und etabliert einen neuen Standard für die maritime Wartung. Parallel zur physischen Reinigung entwickeln die Ingenieure eine umfassende Softwareplattform. Diese sogenannte „Full-Stack“-Softwareebene nutzt die während des Reinigungsvorgangs gesammelten Daten, um einen hochpräzisen digitalen Zwilling des Schiffsrumpfes zu erstellen. Dieses virtuelle Modell ist weit mehr als eine simple Abbildung; es ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Rumpfzustands in Echtzeit und bildet die technologische Grundlage für eine vorausschauende Wartung. Anstatt auf sichtbare Probleme zu reagieren, können Schiffsbetreiber potenzielle Schwachstellen oder beginnende Korrosion frühzeitig erkennen und gezielte Massnahmen ergreifen, bevor teure Reparaturen notwendig werden.
Durch diesen datengestützten Ansatz erhalten Schiffsbetreiber handlungsrelevante Analysen und tiefe Einblicke in die Leistung und den Zustand ihrer gesamten Flotte. Die Softwareplattform ermöglicht eine optimierte Planung von Wartungsarbeiten, was nicht nur die Betriebskosten senkt, sondern auch die Lebensdauer der Schiffe verlängert. Indem die Leistung jedes einzelnen Schiffes kontinuierlich überwacht wird, können Ineffizienzen schnell identifiziert und behoben werden, was zu einer Maximierung der Gesamteffizienz führt. Diese Kombination aus autonomer Robotik und intelligenter Datenanalyse positioniert Nautica Technologies nicht nur als Anbieter einer Reinigungslösung, sondern als strategischen Partner für Reedereien, der ihnen hilft, den Wert ihrer Anlagen zu steigern und sich in einem zunehmend wettbewerbsintensiven und regulierten Markt erfolgreich zu behaupten.
Vom Start-up zum Top-100-Innovator
Hinter dem Erfolg von Nautica Technologies stehen die Gründer Cedric Portmann, der Chief Executive Officer, und Mina Kamel, der Chief Technology Officer. Beide brachten eine exzellente akademische und unternehmerische Expertise in das Unternehmen ein. Portmann besitzt einen Master-Abschluss in Robotik von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL), während Kamel einen Doktortitel in Robotik von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) hält und bereits an der Gründung anderer erfolgreicher Start-ups beteiligt war. Ihre Vision und technologische Kompetenz zogen schnell das Vertrauen von Investoren an. Ein entscheidender Meilenstein war der Abschluss einer Seed-Finanzierungsrunde im Juli 2025, bei der das Unternehmen vier Millionen US-Dollar einsammelte. Die Runde wurde vom renommierten Investor b2venture angeführt, unter Beteiligung weiterer Risikokapitalgeber, was die Marktrelevanz der Technologie unterstrich.
Die Aufnahme des Unternehmens in die prestigeträchtige Liste der „TOP 100 Swiss Startups“ für das Jahr 2025 bestätigte die hohe Innovationskraft und das enorme Marktpotenzial von Nautica Technologies. Diese Auszeichnung, die seit 2011 jährlich die vielversprechendsten Schweizer Technologieunternehmen kürt, gilt als international anerkanntes Gütesiegel für Innovation „Made in Switzerland“. Die Verbindung zu Insight Tech, dem chinesischen Lizenznehmer der Initiative, eröffnet Nautica zudem strategische Möglichkeiten für die Expansion und Zusammenarbeit auf dem chinesischen Markt, einem der wichtigsten Akteure in der globalen Schifffahrt. Durch die Kombination aus autonomer Robotik, künstlicher Intelligenz und einem datengestützten Servicemodell hat das Unternehmen eine disruptive technologische Lösung für ein fundamentales Problem der Schifffahrtsindustrie geschaffen, die die Zukunft der maritimen Wartung massgeblich mitgestalten dürfte.