Ferlaino zur Wissenschafterin des Jahres 2025 Gekürt

Ferlaino zur Wissenschafterin des Jahres 2025 Gekürt

In den eisigen Tiefen physikalischer Labore, bei Temperaturen, die dem absoluten Nullpunkt von minus 273 Grad Celsius nahekommen, entfaltet sich eine bizarre und faszinierende Welt, die den Gesetzen unserer alltäglichen Erfahrung gänzlich zu widersprechen scheint. Die in Innsbruck forschende Quantenphysikerin Francesca Ferlaino hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die tiefsten Geheimnisse dieser ultrakalten Materie zu entschlüsseln und ihre komplexen Erkenntnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Für diese herausragende Fähigkeit, die tiefgreifende Schönheit der Quantenwelt verständlich und greifbar zu vermitteln, wurde die gebürtige Italienerin vom Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist:innen zur „Wissenschafterin des Jahres 2025“ ernannt. Diese prestigeträchtige Ehrung würdigt nicht nur ihre bahnbrechende Forschungsarbeit, sondern insbesondere auch ihr unermüdliches Engagement, die Wissenschaft aus dem sprichwörtlichen Elfenbeinturm zu befreien und den gesellschaftlichen Dialog aktiv zu fördern. Ferlaino, die seit zwei Jahrzehnten in Österreich forscht und als wissenschaftliche Direktorin am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) fungiert, ist eine weltweit führende Persönlichkeit auf ihrem Gebiet.

Einblicke in die Quantenwelt

Pionierarbeit am Rande der Existenz

Die Forschung von Francesca Ferlaino konzentriert sich auf die Untersuchung exotischer Quantenzustände, die ausschließlich unter extremen Bedingungen, nahe dem absoluten Kältestaupunkt, entstehen. In ihrem hochmodernen Labor erzeugt und analysiert sie Phänomene wie das Bose-Einstein-Kondensat, einen Materiezustand, in dem Tausende von Atomen ihre Individualität verlieren und sich wie ein einziges, riesiges Quantenobjekt verhalten. Ein weiteres zentrales Forschungsfeld ist die Superfluidität, bei der eine Flüssigkeit ohne jegliche Reibung fließen kann. Ferlaino legt größten Wert darauf, zu betonen, dass diese auf den ersten Blick seltsam anmutenden Eigenschaften der Quantenwelt keine theoretischen Hirngespinste sind, sondern messbare und nachweisbare Realitäten, die unser grundlegendes Verständnis von Materie herausfordern und erweitern. Ihre bahnbrechenden Forschungsergebnisse, die sie gemeinsam mit ihrem internationalen Team erzielt, finden regelmäßig Beachtung in den renommiertesten Fachzeitschriften der Welt, darunter „Nature“ und „Physical Review Letters“, was ihre führende Rolle in der globalen Wissenschaftsgemeinschaft untermauert.

Anerkennung und Gesellschaftliche Relevanz

Die Entscheidung des Journalistenklubs, Francesca Ferlaino auszuzeichnen, fand einhellige Zustimmung und breite Anerkennung in der österreichischen Wissenschaftslandschaft. Führende Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung und Lehre lobten die Wahl als wichtiges Signal. Veronika Sexl, die Rektorin der Universität Innsbruck, würdigte Ferlaino als eine „herausragende Wissenschafterin“ und betonte ihre unschätzbar wichtige Vorbildfunktion, insbesondere für Frauen in der traditionell stark männlich dominierten Disziplin der Physik. Sie verkörpere Exzellenz und Inspiration für die nächste Generation von Forscherinnen. Auch Heinz Faßmann, der Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, unterstrich die hohe gesellschaftliche Relevanz von Ferlainos Engagement. Er sah in der verständlichen und zugänglichen Wissenschaftsvermittlung einen entscheidenden Schlüssel zur Stärkung des öffentlichen Vertrauens in die Wissenschaft – ein Aspekt, der in der heutigen Zeit von unschätzbarem Wert für eine aufgeklärte und faktenbasierte Gesellschaft sei. Die Auszeichnung wurde somit nicht nur als persönliche Ehrung, sondern auch als Anerkennung für die Bedeutung der Brücke zwischen Forschung und Gesellschaft verstanden.

Eine Visionärin mit Unkonventionellem Weg

Vom Antiken Griechenland zur Quantenmechanik

Der Weg von Francesca Ferlaino in die Spitzenforschung der Physik war alles andere als vorgezeichnet. Aufgewachsen in Neapel, lag ihr schulischer Fokus ursprünglich auf den Geisteswissenschaften, insbesondere auf Altgriechisch und Philosophie. Nach einem frühzeitigen Schulabschluss mit nur 17 Jahren brachte sie ein zufälliger Besuch einer Physikvorlesung, zu der sie einen Freund begleitete, auf einen neuen Kurs. Obwohl sie den komplexen Inhalten damals kaum folgen konnte, entfachte die Vorlesung in ihr einen unbändigen Wunsch, diese verborgenen Zusammenhänge der Natur zu verstehen. Diese neu entdeckte Neugier führte sie schließlich zum Physikstudium an der Universität Federico II in Neapel und legte den Grundstein für ihre beeindruckende Karriere. Ihre Herangehensweise an die Leitung ihrer Forschungsgruppe ist ebenfalls bemerkenswert. Sie sieht sich weniger als klassisches „Role Model“, sondern vielmehr als „Trainerin“, eine Analogie, die sie aus dem Fußball entlehnt – ihr Vater war der langjährige und legendäre Präsident des SSC Neapel. Diese Perspektive betont die Freude an der Zusammenarbeit im Team und den kollaborativen Geist, den sie als größte Motivation für ihre wissenschaftliche Arbeit bezeichnet.

Ein Bekenntnis zum Forschungsstandort

Francesca Ferlaino nahm die Auszeichnung mit großer Dankbarkeit entgegen und interpretierte sie nicht nur als persönliche Anerkennung, sondern vor allem als eine Bestätigung für den starken Rückhalt, den die Forschung in Österreich durch Politik und Bevölkerung erfuhr. Diesen gesellschaftlichen und institutionellen Support hielt sie angesichts der globalen geopolitischen Lagen und der oft schwierigen Forschungsbedingungen in anderen Ländern für bedeutender denn je. Die Ehrung bestärkte sie in ihrer Überzeugung, dass ein stabiles und wertschätzendes Umfeld eine entscheidende Voraussetzung für wissenschaftliche Durchbrüche und Innovationen darstellte. Ihr besonderes Anliegen war dabei stets die gezielte Förderung von Frauen in der Physik, wo sie durch ihre eigene Laufbahn bewiesen hatte, dass Exzellenz keine Frage des Geschlechts ist. Die Auszeichnung als Wissenschafterin des Jahres 2025 wurde so zu einem Symbol für die Fruchtbarkeit des österreichischen Wissenschaftssystems und zu einem eindringlichen Plädoyer für die fortwährende Investition in neugiergetriebene Grundlagenforschung.

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